sábado, 28 de julio de 2012


Planckton

Eine Goldmedaille fürs Shooting Springkraut

28. Juli 2012, 11:35 Uhr 
Über diese Medaillenvergabe wird man sich unter grünen Sportsgeistern streiten. Der bayerische Wald-Verein jedenfalls oder ein mir bekannter Kriminalkommissar aus dem Kölner Süden, der jahrelang durch die Waldränder der Wahner Heide streifte und hart durchgriff, werden sich grün und rosa ärgern. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat doch tatsächlich dem Drüsigen Springkraut oder - wie sie im Ruhrgebiet inzwischen schnippig bezeichnet wird: die „Wupperorchidee" oder „Emscherorchidee" - einen Lorbeerkranz umgehängt: „Gold medalist of the natural world". An der Basis reißt man es mit der Wurzel aus, da oben gibt's Schulterklopfen. Der Naturschutz ist gespalten. 
Natürlich ist es eine symbolische Verneigung aus Anlass der Londoner Olympiade - allerdings für für eine, ja, zwar herrlich blühende, aber eben auch eine der ökologisch unerbittlichsten, rücksichtslosesten Arten auf der Nordhalbkugel. Vor allem an den Bachrändern steht es, meistens meterhoch und in dichten Kolonien, und stellt optisch alles drum herum in den Schatten. Rosarote wilde Monokulturen. Das Kraut kommt ursprünglich aus der Himalaja-Gegend, fühlt sich in Europa aber längst pudelwohl. Es schießt im Frühsommer innerhalb weniger Tage in die Höhe, das muss man gesehen haben.

Der eigentliche Grund für den olympischen Lorbeer ist freilich ein anderer: Die Stauden mit den dicken Stengeln schießen aus allen Rohren - will heißen: Wenn die Früchte reif sind, katapultieren die schmalen Früchte ihre kleinen runden Samen schon bei der kleinsten Berührung mit einem mächtigen Knall aus der Kapsel. Dynamisch könnte man das nennen, oder aber auch aggressiv. Die elastischen Bänder an den Kapselrändern machen es möglich. Und dieses beeindruckende Arsenal sieht die Naturschutzunion nun offenbar als olympiawürdig. So wie sie den Europäischen Hasen seiner Qualitäten als Boxer medaillenträchtig und den Schützenfisch Toxotes seines Zielvermögens wegen zum Siegertyp erklärt - alles Goldmedaillen-Gewinner.

Noch mehr Hochleistungsarten aus der Hitliste der Naturschutzunion gibt es hier.

Foto Joachim Müller-Jung

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